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Chinesische Heilkunde - Akupunktur


BESCHREIBUNG
Was versteht man eigentlich unter Akupunktur? Dieses aus der chinesischen Medizin hervorgegangene Heilverfahren ist ca. 4000 Jahre alt und erfreut sich zunehmender Akzeptanz bei Patienten und Medizinern. Das zweiteilige, chinesische Wort zhēn jiu heisst übersetzt soviel wie „Brennen und Stechen“. Unter Akupunktur versteht man also das Einstechen dünner Nadeln in bestimmte, genau vorgegebene Akupunkturpunkte sowie die dadurch einsetzende Erwärmung dieser Punkte. Diese durch Nadeln hervorgerufene Reizung von Akupunkturpunkten zählt zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Heilmethoden der Welt. Die für die Akupunktur benötigten Punkte liegen auf Leitlinien, die man auch Meridiane nennt. In ihnen fließt nach altchinesischer Auffassung die Lebensenergie des Menschen in Form von Yin und Yang. Nur wenn diese beiden im Gleichgewicht sind, spricht die Akupunktur vom Zustand absoluter Gesundheit. Je nachdem, welcher Akupunktur-Methode sie sich anvertrauen, kann der Arzt zwischen 200 und 4000 Akupunkturpunkten auswählen. Auch die Art der Nadeln ist entscheidend. Sie sind wegen der Hygiene meist aus Edelstahl und müssen unter allen Umständen steril gehalten werden. Die Länge des Nadelschaftes liegt zwischen 1,5 bis 15 Zentimetern. Die meisten Mediziner verwenden Nadeln mit einer Länge von 3 - 4 Zentimetern. Die Dicke von Akupunkturnadeln beträgt in der Regel zwischen 0,15 bis 0,4 Millimeter.

Die verschiedenen Methoden der Akupunktur
Es gibt unterschiedliche Arten, auf Akupunkturpunkte einzuwirken. Die klassische Methode ist das Einstechen von Nadeln, man kann die Energieflüsse im Körper aber auch durch Wärme (Moxibustion genannt), mit Hilfe von Ultraschall, durch spezielle Akupunkturlaser oder auch durch einfachen Druck mit dem Finger oder durch Druck mit einem Stift (als Akupressur bezeichnet) reizen. Eine besondere Methode ist die Triggerpunktakupunktur. Bei dieser Form werden ganz bestimmte, für auftretende Schmerzen verantwortliche Muskelpartien mit Akupunkturnadeln gereizt und auf diese Weise eine lokale Muskelentspannung hervorgerufen. Eine speziellere Akupunktur-Methode ist die Schädel-Akupunktur, welche vor allem bei Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und zerebralen Erkrankungen praktiziert wird. Sie wird auch häufig in Verbindung mit Elektrostimulation anderer Körperpunkte eingesetzt und hat sich hier als extrem wirkungsvoll erwiesen. Auch die Augenakupunktur ist eine Sonderform. Bei dieser Methode wird aber nicht das Auge selbst oder in direkter Nähe zum Auge akupunktiert, sondern lediglich bestimmte Punkte am Körper behandelt, die als besonders wirkungsvoll bei Augenleiden gelten. Weitere Methoden sind die Hand-, Mund- und Fußakupunktur.

Akupunktur und ihr Beitrag zur Schmerztherapie
Die Akupunktur besitzt nachgewiesenermaßen heilende und vor allem schmerzlindernde Wirkung. Dabei gehören akute und chronische Schmerzen zu ihren wichtigsten Anwendungsgebieten. Die Akupunktur regt dabei die Selbstheilungskräfte unseres Körpers an. Die eingebrachten Nadeln bewirken, dass der Körper bestimmte Stoffe produziert, welche Schmerzen nachhaltig und fast ohne Nebenwirkungen hemmen. Chinesische Mediziner beschreiben die Anti-Schmerz-Wirkung der Akupunktur als das Auflösen von Stauzuständen im Fluss der menschlichen Lebensenergien. Durch die kurzen Reflexstrecken zwischen Ohrmuschel und dem Schmerz-Zentrum des Gehirns ist die Ohrakupunktur besonders gut bei der Schmerztherapie einsetzbar, da schnell Linderung zu erreichen ist. Viele Studien haben gezeigt, dass die verschiedenen Methoden der Akupunktur einen großen Beitrag zur Linderung von Schmerzen leisten können.

Ohrakupunktur als Sonderform
Die Ohrakupunktur wurde vom französischen Arzt Dr. Paul Nogier entdeckt und entwickelt. Nach Dr. Nogier ist die Ohroberfläche eine Reflexzone, auf der sämtliche Organe des menschlichen Körpers abgebildet sind (Ohrreflexzonen nach Nogier und Bahr). Die Methode der Ohrakupunktur ist hilftreich, die verschiedensten Ursachen für Beschwerden zu erkennen. Die Untersuchung am Ohr erlaubt dem Arzt außerdem eine genaue Aussage darüber, wo Schmerzherde liegen und welche Organe bei unklaren Beschwerden unter Umständen betroffen sind. Die Untersuchung geschieht durch die Messung von Spannungsdifferenzen an der Oberfläche des Ohres. Die einzelnen Punkte werden auf elektrische Veränderungen geprüft. Die Ohrmuschel fungiert also sozusagen als körpereigenes Diagnosefeld. Die sich anschließende Behandlung wird durch das Setzen von Nadeln in die entsprechenden Punkte am Ohr ausgeführt, gegebenenfalls wird gleichzeitig an den entsprechenden Körperpunkten behandelt. Die Reize, die durch die Ohr-Akupunktur gesetzt werden, gehen über das Zwischenhirn direkt zu den betroffenen Körperteilen und rufen schnelle, positive Veränderungen hervor. Für diese rasche Reaktion des Körpers sorgt hierbei das Gehirn als zentrales Organ, das die Akupunkturreize ohne Umwege direkt an die betroffenen Stellen weiterleitet.


Einsatzgebiete der Akupunktur
Die WHO (Weltgesundheitsbehörde) führt eine sogenannte Indikationsliste, die angibt, bei welche Beschwerden eine Akupunkturbehandlung anerkannt ist. Zu den dort aufgeführten Bereichen zählen unter anderem:
- Bereich der Anästhesie
- gynäkologische Erkrankungen
- Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
- Schlafstörungen
- Bronchial- und Lungenerkrankungen
- neurologisch bedingte Erkrankungen
- Augenerkrankungen
- muskuloskeletale Erkrankungen
- Erkrankungen im Bereich HNO
- Magen-Darm Erkrankungen
- Kinderkrankheiten
- psychische Erkrankungen
Bei allen Indikationen ist aber immer angeraten, sowohl die Schulmedizin als auch Spezialisten für Akupunktur zu konsultieren. Das Zusammenspiel beider Wissenschaftsbereiche ist nachweisbar erfolgreicher als die vorschnelle Beschränkung auf eine Richtung. Bei bestimmten Erkrankungen wie Tumoren, sehr ansteckenden Krankheiten sowie schweren psychischen Störungen (Manie, Schizophrenie) sowie akuten Verletzungen wird von Akupunktur abgeraten. Auch Babys und Kleinkinder sollten einer solchen Behandlung nicht unterzogen werden. Die Meinungen beim Thema Akupunktur gehen in Wissenschaftskreisen noch immer auseinander.

Erfolgsaussichten bei Akupunkturbehandlungen
Neueste, wissenschaftliche Studien haben bestätigt, dass eine Behandlung mit Akupunktur bei einer ganzen Reihe von heute verbreiteten Erkrankungen (Heuschnupfen, Tennisellbogen, Menstruationsbeschwerden, allergisches Asthma oder chronische Erkrankungen der Wirbelsäule) gegenüber den herkömmlichen schulmedizinischen Therapien deutlich erfolgreicher ist. Vor allem bei chronisch auftretendem Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerz konnten große Studien bei drei von vier Probanden eine deutliche und lang anhaltende Schmerzlinderung nachweisen.
Auch bei Schwangeren, die sich im Endstadium der Schwangerschaft einer Akupunkturbehandlung unterzogen haben, konnte ein geringerer Geburtsschmerz sowie eine kürzere Dauer der Geburt nachgewiesen werden.

Welche Behandlungen werden von Krankenkassen übernommen?
Auch die Krankenkassen haben sich von den verschiedenen, durchgeführten Studien überzeugen lassen. Seit Januar 2007 zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung mit Akupunktur bei chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder in den Knien, sofern sie im Rahmen einer Schmerztherapie durchgeführt wird. Akupunktur-Behandlungen bei Kopfschmerz ist dagegen nicht in den Leistungskatalog eingegangen, da durchgeführte Studien keinen Vorteil gegenüber Standardtherapien festgestellt haben. Auch alle übrigen Akupunktur-Therapien sind von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und müssen vom Patienten selbst getragen werden.

Ein Resümee
Die Erfolge, die die Akupunktur seit langem verzeichnet, haben dazu geführt, dass heute immer mehr Schulmediziner bereit sind, ihren Horizont um diesen wichtigen Bereich zu erweitern. In der Anfangszeit der Akupunkturbehandlungen in Deutschland taten viele Mediziner der westlichen Schule die Behandlung durch Nadeln als unbedeutend ab und verweigerten ihr die Anerkennung. Dies ist heute anders. Auch, wenn noch nicht alle Geheimnisse dieser chinesischen Heilmethode bis ins Letzte erforscht sind, hat sich doch gezeigt, dass die Leiden zahlreicher Patienten durch die Methoden der Akupunktur gelindert oder sogar geheilt werden konnten. Das Zusammenspiel westlicher Schulmedizin und chinesischer, ganzheitlicher Heilmethoden ist sinnvoll und wird sich weiterhin für viele Kranke als wertvoll erweisen.